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Google Trips im Test: Funktionen und Folgen für den Tourismus

Google Trips im Test: Funktionen und Folgen für den Tourismus

Google hat eine neue App auf den Markt gebracht. In Anbetracht der Fülle an Apps, die jeden Tag von Technologieunternehmen auf den Markt gebracht werden, mag das nur eine kleine Notiz am Rande sein. Diese App aber, die auf den Namen Google Trips hört, ist für das Reisen und den Tourismus mitunter revolutionär und deshalb machen wir aus der kleinen Notiz am Rande eine große Meldung. Die App Google Trips sollte man als Tourist sowie als Destination, Museum, Hotel und gastronomischer Betrieb auf dem Schirm haben.

Was ist Google Trips?



 
Google Trips (als Download für Android und iOS verfügbar) ist – so der Konzern selbst – die Antwort auf viele kleine Fragen, mit denen sich Touristen jeden Tag, insbesondere in fremden Ländern, konfrontiert sehen. Wo habe ich meine Buchungsbestätigung? Wie komme ich vom Flughafen zu meinem Hotel? Welche Sehenswürdigkeiten soll ich mir ansehen? Was mache ich bei schlechtem Wetter? Und wie finde ich mich überhaupt ohne WiFi oder Roaming zurecht? Die Lösung von Google ist so einfach wie genial: Eine App, die Buchungsbestätigungen speichert, Sehenswürdigkeiten und Restaurants empfiehlt, das öffentliche Nahverkehrssystem erklärt und obendrein den gesamten Aufenthalt anhand persönlicher Vorlieben und Interessen plant. Das macht potenzielles Zettelchaos und den schweren und womöglich veralteten Reiseführer überflüssig.

Welche Funktionen hat Google Trips?

Unter dem Motto „See more, plan less“ bietet die App, die aktuell nur in englischer Sprache verfügbar ist, ihren Service als mobiler Reiseassistent in bis zu sieben Bereichen an. Dieser Service ist übrigens nicht nur online, sondern auch offline verfügbar. Dazu kann sich der Nutzer ausgewählte Ihnhalte auf Smartphone oder Tablet herunterladen und ist so weder auf instabiles, öffentliches Wi-Fi noch auf teueres Roaming angewiesen.

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Reservations

Google Trips greift auf das Gmail-Konto sowie den Google-Kalender des Nutzers zu, erkennt relevante Reisedaten und -dokumente (z.B. die Reservierungsbestätigung eines Hotels) und legt sie gebündelt und übersichtlich in diesem Bereich ab.

Things to do

Google Trips schlägt relevante und beliebte Sehenswürdigkeiten einer Destination vor, die der Nutzer anhand Unterkategorien filtern kann. Er kann sich z.B. nur Sehenswürdigkeiten anzeigen lassen, die sich in der Nähe befinden, die speziell auf seine Interessen zugeschnitten sind, die bei Einheimischen besonders beliebt sind oder die sich um ein spezielles historisches oder kulturelles Thema drehen.

Saved places

In diesem Bereich kann der Nutzer seine Favoriten (Sehenswürdigkeiten sowie Cafés, Bars oder Restaurants) abspeichern und jederzeit einsehen.

Day plans

Der vielleicht spannendste Bereich von Google Trips. Die App schlägt anhand der Länge des Aufenthalts und der Interessen des Nutzers (Stichwort Google History) verschiedene Tages- oder Halbtagestouren vor, die wichtige Sehenswürdigkeiten einschließen oder den Nutzer eine Destination thematisch entdecken lassen. Diese Touren können individualisiert werden, in dem der Nutzer weitere Sehenswürdigkeiten hinzufügt oder die vorgeschlagene Route ändert. Je nach Größe einer Destination kann dieser Bereich wegfallen. Für Berlin beispielsweise gibt es diese Funktion, für Leipzig nicht.

Food & Drink

Google Trips spricht anhand verschiedener Kategorien (Art der Lokalität, Tageszeit, Küche) Empfehlungen für Essen und Trinken aus. Je nach Größe der Destination liefert die App außerdem eine Übersicht über typische Essensgepflogenheiten und traditionelle Gerichte.

Getting around

In diesem Bereich geht es darum, wie man am schnellsten, am günstigsten oder am komfortabelsten von A nach B kommt. Hier finden Nutzer, in Abhängigkeit der Größe einer Destination, Informationen, welche Verkehrsmittel den Flughafen mit der Innenstadt verbinden, welche Taxiunternehmen in der Stadt operieren (inkl. Telefonnummern) und wann es sich lohnt, das Auto stehen zu lassen und stattdessen die Destination per Fuß zu erkunden.

Need to know

Google Trips liefert in diesem Bereich, ebenfalls abhängig von der Größe einer Destination, eine praktische Übersicht nützlicher Informationen, zum Beispiel zu Notrufnummern, Krankenhäusern, der Landeswährung oder öffentlichem Wi-Fi.

Warum ist Google Trips revolutionär?

Nun ja, im Grunde erfindet Google das Rad nicht neu. Restaurantempfehlungen stehen in jedem handelsüblichen Reiseführer und inzwischen haben viele Destinationen eine eigene App herausgebracht, die alle wichtigen Sehenswürdigkeiten auflistet und entsprechende Spaziergänge vorschlägt. Die App des örtlichen Nahverkehrssystem liefert Informationen zu den Verkehrsmitteln und was man als Tourist gerne unternehmen würde, schreibt man sich – digital oder analog – auf eine To-Do-Liste. Und genau darin liegt auch schon das Problem, das Google erkannt hat. Zu viele Möglichkeiten, zu viele Apps, zu viel Aufwand.

Google Trips vereint alle relevanten Nutzerbedürfnisse gebündelt und übersichtlich in nur einer App. Die App greift auf den großen Wissenspool des Konzerns sowie das große Empfehlungsnetzwerk von Internetnutzern weltweit zurück und liefert zudem alle Informationen in Echtzeit (z.B. Öffnungszeiten, Empfehlungen basierend auf Wettervorhersagen etc.). Gepaart mit einer praktischen Offline-Funktion sowie einem modernem und ansprechenden Design muss das erst mal ein anderes Unternehmen bzw. eine andere App nachmachen.

Natürlich fehlen nach erst einigen wenigen Tagen umfassende Erfahrungswerte, ob und wie die App angenommen wird. Es wird sicher Reisende geben, die sich aus datenschutztechnischen Gründen gegen eine Nutzung der App entscheiden – besonders hier in Deutschland. Dennoch ist trotz dieser Bedenken das Vertrauen in ein Unternehmen wie Google hoch. Und da Google Trips zudem mit Funktionalität und Bequemlichkeit überzeugt, wird wahrscheinlich nicht nur der eine oder andere analoge Reiseführer weniger Beachtung finden, sondern auch die eine oder andere aufwendig produzierte App einer touristischen Destination hinfällig werden.

Was bedeutet das für die Tourismusbranche?

Die Empfehlungen, die Google Trips seinen Nutzern gegenüber ausspricht, basieren neben ihren persönlichen Interessen sehr stark auf den Bewertungen, die Internetnutzer weltweit für Hotels, Restaurants aber auch POIs auf Google abgeben können. Entwickelt sich Google Trips nun zu einer führenden Reiseapp, ist es wichtig, dass Destinationen, Museen, Hotels, gastronomische Betriebe und weitere Leistungsträger noch stärker als bisher 1) wissen, was und wie auf Google über sie geredet wird und dies 2) gegebenenfalls durch gezieltes Qualitätsmanagement optimieren.

Google Trips ist eine hilfreiche App, um den bereits gebuchten Urlaub konkret zu planen. Es ist keine hilfreiche App, um sich inspirieren zu lassen, um zu entscheiden, wo denn die nächste Reise hingehen könnte. Dazu fehlen Geschichten, Emotionen sowie auch aussagestarke, visuelle Eindrücke, wie sie z.B. von travelstory.io aufbereitet und dargestellt werden. Die App steht damit also nicht in direkter Konkurrenz zu Content Marketing oder Storytelling Kampagnen von Tourismusunternehmen und muss deswegen auch nicht als übermächtige Konkurrenz verteufelt werden.

Es liegt an Destinationen, Hotels oder anderen touristischen Unternehmen im ersten Schritt Emotionen und Interesse zu wecken und im zweiten Schritt dann Buchungen anzuregen. Google Trips übernimmt im dritten Schritt schließlich die Reiseplanung, die durch gezieltes Qualitätsmanagement weiterhin (bis zu einem gewissen Punkt) beeinflusst werden kann.

Bildnachweis: Screenshot

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