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Für jedes Video die passende Plattform: Videomarketing im Tourismus

Für jedes Video die passende Plattform: Videomarketing im Tourismus

Eine aktuelle Online-Video-Studie fand heraus, dass knapp zwei Drittel aller deutschen Internetnutzer regelmäßig Online-Videos konsumieren; hauptsächlich „zum Informieren“ und „zum Zeitvertreib“ (Quelle: Tomorrow Focus Media, Video Effects 2015).

51% dieser Online-Videokonsumenten suchen gezielt nach neuen Videos. 46% stolpern zudem oftmals auch rein „zufällig“ darüber. Social Media spielt in beiden Szenarien eine wichtige Rolle. Besonders die Videoplattformen YouTube und Facebook konkurrieren um die größte Bedeutung.

Diese Statistiken zeigen, dass Videomarketing ein wichtiges Marketingsegment geworden ist; besonders für Branchen, die von Impressionen leben. So wie die Tourismusbranche. Fotos und Videos von Unterkünften und Reisezielen sind die wichtigsten Informationsquellen bei der Reiseplanung (Quelle: VIR, Daten und Fakten zu Online-Reisemarkt 2015, Segment Young Traveler).

Touristiker müssen sich stärker als bisher mit dem Thema Videomarketing und den verschiedenen Videoplattformen auseinandersetzen. Wir helfen dabei und haben eine Übersicht der relevantesten Videoplattformen mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten erstellt.

YouTube: Die Allzweckwaffe unter den Videoplattformen

Die Videoplattform YouTube, die sich selbst als zweitgrößte Suchmaschine der Welt bezeichnet, hat trotz wachsender Konkurrenz durch Facebook die Nase vorn. In Deutschland nutzen sie 98% der Online-Videokonsumenten (Quelle: Tomorrow Focus Media, Video Effects 2015).

Die Funktionalität von YouTube ist vielfältig. Das Teilen oder Einbetten von YouTube-Videos funktioniert problemlos. Die Plattform bietet die Möglichkeit, intelligente Call-To-Action-Buttons am Ende eines Videos zu integrieren. So kann auf weitere Videos und/oder auf eine Webseite verlinkt werden. Der Betreiber eines Kanals kann Untertitel für seine Videos hinterlegen, die jeder Nutzer individuell ein oder ausschalten kann.

Egal ob Konzern oder mittelständiges Unternehmen, Reisebüro oder Tourist-Information. YouTube ist aufgrund der potentiellen Reichweite die Plattform für jeden Touristiker, der strategischen Video-Content produziert, ob zur Information oder Unterhaltung.

Ganz besonders eignen sich Video-Kampagnen, die von besonders vielen Menschen gesehen werden sollen und eventuell gar das Potential haben „viral“ zu werden. Sprich: Kampagnen, hinter denen sich ganz besondere Aktionen verbergen, die den Nerv der Zeit treffen und/oder die Emotion des Zuschauers wecken. Der Erfolg eines Videos in Sozialen Netzwerken wird nicht selten in YouTube-Views gemessen.

Facebook: Die Zielgerichtete Videoplattform

46% der deutschen Online-Videokonsumenten nutzen Facebook bereits bewusst als Videoplattform (Quelle: Tomorrow Focus Media, Video Effects 2015). Geht es nach dem Willen des Konzerns soll diese Zahl weiter wachsen und YouTube ernsthaft Konkurrenz machen.

Facebook bastelt deshalb seit einiger Zeit an Funktionen, die das direkte Hochladen von Videos in dem Sozialen Netzwerk attraktiver machen (sollen). Der wohl wesentlichste Schritt: Facebook-Videos erscheinen im Newsfeed in voller Größe während YouTube-Links nur noch im Kleinformat angezeigt werden.

Der große Vorteil von Facebook gegenüber YouTube ist das deutlich einfachere Community-Targeting. Zwar existieren auf YouTube unumstritten starke Communities, das trifft aber eher auf bekannte Video-Blogger als auf Tourismusunternehmen zu. Videos, die auf bestehenden Facebook-Seiten mit bestehender Community hochgeladen werden, erreichen hingegen gleich die gewünschte Zielgruppe.

Aber wie immer, ist auch bei Facebook-Videos nicht alles Gold, was glänzt. Das größte Manko ist die schlechte Auffindbarkeit der Videos. Sie sind nach einigen Tagen aus den Newsfeeds der Nutzer verschwunden und auf der Unternehmensseite durch aktuelle Beitrage „verdrängt“ worden. Die Facebook Suchfunktion ist nicht auf die Suche nach Videos ausgelegt. Um YouTube als Videoplattform ernsthaft Konkurrenz machen zu können, muss Facebook hier dringend nachbessern.

Schaut euch an, wie wir Pendler aus dem Zürcher HB entführten:

Posted by Graubünden on Donnerstag, 2. Juli 2015

Dieses Beispiel zeigt, dass Videos auf Facebook bereits jetzt größeren Erfolg haben können, als Videos auf YouTube. Vergleicht man die Aufrufe des Graubünden-Videos, stehen knapp 1 Million Aufrufe (Facebook, Stand: 14. Juli 2015) etwa 250.000 Aufrufen (YouTube, Stand 14. Juli 2015) gegenüber. Man muss allerding vorsichtig sein und bedenken, dass jeder Autoplay-Start als von Facebook als Aufruf gewertet wird. Die Zahl gibt also nicht an, wer sich das Video tatsächlich aktiv angesehen hat.

Vimeo: Die Anspruchsvolle Videoplattform

Vimeo ist, wenn man so will, die Luxuriöse unter den Videoplattformen. Hier stehen kristallklare HD-Wiedergabe und ungestörter Online-Videokonsum (frei von ungewollter Werbung) im Vordergrund. Die Videos auf dieser Plattform sind entweder besonders ästhetisch oder besonders kreativ – oder beides. In jedem Fall sind die Videos auf Vimeo qualitativ hochwertig.

12% der deutschen Online-Videokonsumenten nutzen Vimeo (Quelle: Tomorrow Focus Media, Video Effects 2015). Die anspruchsvolle Zielgruppe, die sich hinter dieser Zahl verbirgt, macht Vimeo aber dennoch zu einer attraktiven Nischenplattform.

Das Teilen und Einbetten der Videos funktioniert auf Vimeo ebenso einfach wie auf YouTube. Call-To-Action-Buttons können hingegen nur von Nutzern der kostenpflichtigen Versionen Vimeo Plus und Vimeo Pro integriert werden.

In der Tourismusbranche eignet sich Vimeo für zum Beispiel für Hotels der gehobenen Kategorie oder mit besonderem Design-Anspruch, Destinationen mit entsprechender Gästestruktur oder Kultur- und Bildungsreiseveranstalter.

Instagram: Die Spontane Videoplattform

Instagram ist in erster Linie ein Fotonetzwerk, das sich hier in Deutschland immer größerer
Beliebtheit erfreut. Instagram bietet allerdings auch die Möglichkeit an, Videos mit einer Länge von maximal 15 Sekunden hochzuladen. Das klingt nach nicht viel, in 15 Sekunden kann man aber durchaus eine schöne Momentaufnahme teilen.

Und genau darin liegt die Essenz von Instagram-Videos: Spontanität. Die Videos müssen nicht von langer Hand geplant und mit professionellem Equipment aufgenommen werden. Ein passender Moment, ein Smartphone und eine ruhige Hand reichen oftmals schon aus, um einen tollen Sonnenuntergang im Kurpark, die Zubereitung eines Cocktails in der Hotelbar oder das Eintreffen der neuen Reisekataloge festzuhalten.

Vor einigen Tagen hat Instagram seine Suchfunktion verbessert. Von nun an können Nutzer auch nach Orten suchen, eine Funktion, die besonders für die Tourismusbranche sehr wichtig ist. Deswegen sollten Videos immer mit einer Ortsangabe, mindestens aber mit relevanten (aber nicht übertrieben vielen!) Hashtags versehen werden, um auch außerhalb der Community auffindbar zu sein.

Schiffchenfahrt über den #Rhein – immer wieder schön #DeinNRW #natur #Bonn

A video posted by Dein NRW (@deinnrw) on

Vom Prinzip her ähnlich wie Instagram funktioniert die Videoplattform Vine. Hier „dürfen“ die Videos allerding nur 6 Sekunden lang sein.

Periscope: Die Videoplattform in Echtzeit

Periscope ist seit März dieses Jahres der neue Star unter den Videoplattformen. Die Anwendung ermöglicht die Aufnahme von Live-Streams, die per Link öffentlich geteilt werden können. Alles, was man braucht, sind ein Smartphone und eine stabile Internetverbindung. Die Nutzer können per Kommentarfunktion aktiv am Geschehen teilnehmen.

Das eröffnet für die Tourismusbranche zahlreiche neue Möglichkeiten: Ein Blick hinter die Kulissen einer Veranstaltung, eine Stadtführung, ein aktueller Wetterbericht. Der Kreativität sind mit Periscope keine Grenzen gesetzt, immer frei nach dem Motto „Authentizität geht über Perfektion“.

Die DMO Visit North Carolina hat innerhalb der ersten 48 Stunden des Periscope-Launchs eine erfolgreiche Kampagne umgesetzt. Sechs Sehenswürdigkeiten des Amerikanischen Bundesstaates wurden im Verlauf eines Tages live vorgestellt. Seitdem hat sich Periscope als eine beliebte Plattform der DMO etabliert.

Eine für alles oder alle für eines?

Reisebericht, Momentaufnahme oder Live-Event? Es gibt weder die eine Videoplattform, die sich für alles eignet, noch sollte man das gleiche Video überall hochladen. Je nach Format, Inhalt und Zielgruppe muss zwischen den einzelnen Plattformen differenziert werden.

Das erfordert eine aktive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Möglichkeiten und ein gewisses Knowhow über die einzelnen Plattformen. Doch dieser Prozess lohnt sich, denn die Bedeutung von Videos in den Bereichen Reiseinspiration und -information ist sehr groß.

Bildnachweis: cydonna / photocase.com

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